Mut zur Meinung!

10. April 2019 - VHS FORUM am Neumarkt

Köln diskutierte am 10. April 2019 über „Fridays for Future“.

Die Fishbowl-Diskussion zum Thema 'Fridays for Future' war ein voller Erfolg. Am 10. April sind auf Einladung von junge Stadt Köln im VHS FORUM am Neumarkt Personen mit unterschiedlichen Meinungen und Positionen mit dem Ziel zusammengekommen, sich über das Phänomen 'Fridays for Future' auszutauschen. Die Intention der Veranstaltung war es, dass nicht nur Meinungen geäußert werden können sondern auch, dass die verschiedenen Positionen zu einem besseren gegenseitigen Verständnis gelangen können.

Zu Gast waren unter anderem Teilnehmer von 'Fridays for Future', um von ihren Motiven der Protestaktionen zu erzählen. Luzi und Kerim haben erzählt, dass sie sich schon immer mit dem Thema "Klima" beschäftigt haben. Doch durch die wöchentlichen Proteste wissen sie jetzt, dass sie nicht die einzigen sind, die dieses Thema so wichtig finden. Dass da noch mehr Leute sind, sei ein Antrieb damit weiterzumachen. Und es zeigt auch, dass die Generation sich bewegt. Auch das Schulklima hätte sich sehr politisiert in den vergangenen Monaten.

Lüder Ruschmeyer, Schulleiter des Gymnasiums Kreuzgasse, berichtet: "Wir erleben etwas eigentlich ganz Wunderbares. In den letzten zehn Jahren haben Lehrer beklagt, dass wir eine sehr politikdistanzierte, sehr spaßorientierte Jugend hatten. Und jetzt, seit knapp einem Jahr, hat sich das verändert. Die Schüler und Schülerinnen sind an Politik interessiert. Das Thema steht eigentlich in allen Schulen auf der Tagesordnung.“

Eine sehr interessante Position hatte ein junger "Fridays For Future"-Kritiker. Philip, der gerade sein Abitur macht, findet es schade, dass seine Mitschüler und Mitschülerinnen für Klimaveränderung freitags auf die Straße gehen. Seiner Meinung nach erreichen sie nur ein kurzfristiges Ziel. Langfristig habe es wenig Einfluss. Deswegen ist er dafür, dass das Thema in die Klassenzimmer geholt wird. Philip meint, es gäbe Leute, die die ganze Sache nur zu Ihrem eigenen Nutzen tun, weil sie keine Lust auf Unterrichtsstunden haben. Das seien dann genau die, die später wieder im Starbucks mit ihren Plastik Kaffeebechern sitzen. Er ist überzeugt, dass die Schulzeit der Bildung dienen sollte. Dann könnte der Klimawandel effektiver mit einem Plan angegangen werden.

Mit Abstimmungen per Smartphone konnten sich das Publikum beteiligen. Hier die Antworten auf die Frage "Welches Wort verbindest du mit den Friday for Future-Protesten?" Worte, die größer dargestellt sind, wurden mehr als einmal eingegeben.

Während der Diskussion kam auch die Frage auf, welchen Einfluss so junge Leute denn eigentlich haben mit ihren Demonstrationen und was die ganze Wirkung von "Fridays for Future" ist. Kritisiert wurde unter anderem der Name "Fridays for Future", der für manche den Eindruck erweckt, dass ausschließlich an Freitagen etwas für das Klima getan wird. Luzi entgegnet der Kritik und erklärt, dass die Bewegung vor allem dem Informationsaustausch unter den Schüler und Schülerinnen dient: "Ich finde, man kann das nicht so sagen, dass der Name impliziert das man nur freitags was tut. Wir diskutieren sehr viel und tauschen uns täglich aus. Mein Bruder, der ist 12 Jahre, der weiß vielleicht noch nicht selbst so gut, wie er die Klimakrise lösen soll, aber er weiß, dass er was tun will, und dass da eigentlich Politiker sind, die diese Aufgabe für ihn übernehmen sollen. Wir haben ja auch noch andere Aktionen, die nicht nur freitags sind. Und mit der Bewegung können wir den Politikern Druck machen."

Anja Wagemann, Vertreterin des "Team March for Science", fügt hinzu, dass man durch das Demonstrieren Politiker und Politikerinnen unterstützt, die etwas verändern wollen. Dies alleine habe schon eine enorme Wirkung und sollte nicht unterschätzt werden.

Lokaler historischer Vergleich

Ein besonderer lokaler Vergleich konnte durch die Anwesenheit von Hermann Rheindorf und Janus Fröhlich gezogen werden, die 1992 dazu beigetragen haben, die Arsch Huh-Initiative ins Leben zu rufen. Arsch Huh setzt sich seitdem für ein friedliches Miteinander in der Stadtgesellschaft ein. Die Bewegung setzt durch (Musik-) Veranstaltungen Zeichen gegen Rassismus. Beide haben von den Anfängen der Bewegung erzählt und Vergleiche mit der aktuellen Jugendprotestbewegung gezogen.

Die viele Fragen der verschiedenen Positionen haben für einen lebendigen Austausch unter den Anwesenden gesorgt. So konnte unter anderem Üwen Ergün, Vertreter des KinderRechteForums, berichten, dass in der UN-Kinderrechtskonvention die Rechte von Kindern verankert sind. Kinder haben das Recht zur freien Meinungsäußerung und das Recht auf freie Entfaltung in einer lebenswerten Welt. Daher findet er die Fridays For Future Bewegung super. Er merkt aber an, dass es sich bei den Demonstrationen natürlich nicht um einen Dauerzustand handeln sollte. Dass Schüler und Schülerinnen monatelang nicht zur Schule gehen, findet er problematisch. Üwen Ergün sieht es nicht in der Verantwortung der Schüler und Schülerinnen die Situation zu ändern, sondern erwartet hier mehr Einsatz und eine Lösung von den Politiker und Politikerinnen.

 

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Veranstaltungsankündigung

 

Eine interaktive Diskussion zu "Fridays For Future"

Datum und Ort

Mittwoch, 10. April 2019
17 bis 20 Uhr
FORUM VHS am Neumarkt, Cäcilienstraße 29-33, 50667 Köln


Wir machen uns auf die Suche nach Motiven, Hintergründen und Wirkungen der Protestaktionen. Das Gespräch eröffnen werden Protoagonisten aus Schule, Politik und Gesellschaft.

Warum protestieren Schülerinnen und Schüler gerade jetzt?
Was können sie bewirken?

Es besteht Schulpflicht: Warum gehen sie das Risiko ein, für ihr Engagement bestraft zu werden? Wird diese Protestbewegung das politische Engagement von Jugendlichen verändern?

Das Format

Das Publikum hat die Möglichkeit, sich aktiv in das Gespräch einzubringen. Das Format der Veranstaltung ist die "Fishbowl-Diskussion"; dabei werden eingeladene Protagonisten, die ganz unterschiedliche Sichtweisen und Positionen auf das Thema mitbringen, das Gespräch eröffnen. Nach einer bestimmten Zeit, wird die Diskussion erweitert: Jeder im Publikum hat die Möglichkeit, einen der Protagonisten abzulösen und diesen Platz einzunehmen.

Das Online Cockpit

Zusätzlich hat das gesamte Publikum die Chance, durch Online-Abstimmungen per Smartphone mitzumachen. Also hier absichtlich: Smartphone-Nutzung erlaubt! Wir stellen Fragen, du entscheidest dich auf dem Smartphone für eine Antwort, die Abstimmungsergebnisse erscheinen sofort auf der großen Leinwand für alle sichtbar. Diese Stimmungsbilder werden die Diskussion bereichern.

Veranstaltungsdokumentation und netzwerken

Der Gesprächsverlauf und daraus entstehende gute Ideen werden live auf Stellwänden dokumentiert. Im Anschluss an die Diskussion besteht bei einem Getränk Möglichkeiten zum Netzwerken. Vielleicht finden sich gleich an dieser Stelle Teams zusammen, die gemeinsam Aktionen ins Leben rufen wollen. Das "frank und frei"-Aktionsteam von junge Stadt Köln ist vor Ort und steht für Umsetzungsunterstützung nach der Veranstaltung zur Verfügung.

Eingeladen sind Jugendliche und Erwachsene

Ziel der Veranstaltung ist es unter anderem den Generationendialog zu fördern. Deswegen sind Schülerinnen und Schüler und (junge) Erwachsene eingeladen! Alle, die sich für das Thema interessieren, die verschiedene Meinungen kennenlernen wollen, die zuhören wollen und alle diejenigen, die mitreden wollen.

Veranstaltungspartner

 

Gefördert durch

 

 

Protagonisten

Folgende Personen werden die Diskussion eröffnen:

  • Schülerinnen und Schüler mit Pro- und Contra-Argumenten
  • Üwen Ergün, KinderRechteForum
  • Lüder Ruschmeyer, Schulleiter Gymnasium Kreuzgasse
  • Hermann Rheindorf und Janus Fröhlich, Arsch Huh e.V.
  • Dr. Barbara Möhlendick, Stadt Köln - Koordinationsstelle Klimaschutz
  • Anja Wagemann, Team March for Science Rheinland

 

Moderation

Die Fishbowl-Diskussion wird moderiert von

  • Frank Liffers, junge Stadt Köln e.V.
  • Luca Samlidis, Student Universität Bonn

Das Online-Cockpit für die Smartphone-Abstimmungen wird betreut von

Mitarbeit und Veranstaltungsdokumentation durch