Psych_Ed: Toni und Marlon im Interview

Weg mit den Berührungsängsten! Beim monatlichen Stammtisch von Psych_Ed können sich junge Erwachsene zu Themen rund um psychische Gesundheit austauschen. Projektmitglieder Toni und Marlon berichten.

Was macht Ihr bei Psych_Ed eigentlich? 

Wir schaffen einen offenen Wohlfühlraum für das Thema mentale Gesundheit durch unseren monatlichen Stammtisch im inSide Café. Bei jedem Stammtisch gibt es ein Leitthema. Eine Person des Kernteams bereitet einen kurzen Impuls und eine Gesprächsfrage dazu vor. Durch unseren Blog auf der Website tragen wir außerdem dazu bei, dass Erfahrungen und Informationen festgehalten und weitergegeben werden.  

Wie ist die Idee entstanden?  

Bei einem Ideenfindungsworkshop mit Frank von junge Stadt Köln haben wir, also Toni und Marlon, dasselbe Problem identifiziert – nämlich fehlende Beachtung für psychische Gesundheit. Daher wollten wir ein Bildungsprojekt anstoßen und Aufmerksamkeit in der Gesellschaft erregen. 

Wie hat sich euer Projekt entwickelt? 

Ursprünglich wollten wir Workshops in Schulen anbieten, aber das war nicht mit unserer Idee eines offenen Wohlfühlraums zu vereinbaren. Nach einem Austausch beim Neujahrsempfang 2020 haben wir dann die Idee konkretisiert und die Planungsphase begonnen.  Die Corona-bedingten Kontaktbeschränkungen haben wir genutzt, um  über Zoom die Idee  unseres  Stammtischs weiter  zu verfeinern. 

Was verbindet Ihr mit psychischer Gesundheit? 

Psychische Gesundheit ist die Grundlage  von Gesundheit und  einer funktionierenden Gesellschaft. Leider bekommt sie nicht den Stellenwert, den sie verdient hat. Stattdessen wird sie getrennt von körperlicher Gesundheit und als unwichtiger dargestellt. Wir sind davon überzeugt, dass ein Erfahrungsaustausch zum besseren, grundlegend substantiellerem Leben führt. Wir möchten durch eigene Therapieerfahrung dazu beitragen, über sich und über das Leben zu reflektieren. 

Was macht Euer Team aus? 

Leidenschaft, Erfahrung und Gemeinschaft!  

Welche Rolle nehmt Ihr ein? 

Richard ist in den Meetings der Hauptmoderator und Vertreter von junge Stadt Köln, Jule übernimmt die Kommunikation mit Projektpartner*innen und bringt Erfahrungen aus anderen Projekten mit. Marlon betreut die Website und Annika gestaltet den Rahmen der Stammtische - angefangen bei der Begrüßung bis zur Verabschiedung. Wir alle übernehmen je nach Zeit und Interesse abwechselnd das Vorbereiten der Inhalte.

Wie unterscheidet sich Psych_Ed von einer Selbsthilfegruppe?

Psych_Ed ist ein Ort zum Austauschen und Lernen. Eine Selbsthilfegruppe beschäftigt sich meistens mit einem bestimmten Thema (zum Beispiel Borderline- oder Kleptomanie-Selbsthilfe) und von Teilnehmenden wird erwartet, zu dem Personenkreis der "Betroffenen" zu gehören und sich darüber austauschen. Es ist ein Ort, um mit eigenen Problemen zu arbeiten. Wir sind keine ausgebildeten Psychologie-Profis und können niemanden auffangen oder bei konkreten Problemen helfen: Wir wollen uns nur unterhalten und dabei gute Dinge mitnehmen. Wir wollen über ein breites Spektrum von Themen sprechen, niemanden wegen einem Mangel an Erfahrung ausschließen, und nicht einzelnen Menschen weiterhelfen, sondern eine Möglichkeit zum ungezwungenen und vorurteilsfreien Austausch schaffen.

Warum trefft ihr euch in einem öffentlichen Café und nicht in einem Seminarraum?

Wir treffen uns in einem Café, weil wir uns eher als eine Gruppe von Freund*innen und Bekannten sehen und nicht als eine Therapie. Wir sind eben ein Stammtisch. Das inSide Café gibt uns diese lockere Atmosphäre, die verhindert, dass wir uns zu sehr in den Problemen Einzelner verstricken, und ermöglicht stattdessen einen empathischen Austausch der Gedanken vieler. Von denen können wir dann kreuz und quer lernen.

Auch wäre die Hemmschwelle, in einen Seminarraum zu kommen, eventuell zu hoch und würde nach der eben angesprochenen Selbsthilfegruppe aussehen. Ein Seminarraum würde manche abschrecken, die vielleicht Interesse, aber gleichzeitig Angst vor Stigmatisierung haben. Das inSide verleiht unserem Stammtisch dabei auch Ungezwungenheit.

Sind denn nur junge Erwachsene mit psychischen Krankheiten eingeladen?

Es sind junge Erwachsene eingeladen, die sich mit dem Thema "mentale Gesundheit" beschäftigen möchten - und eine mentale Gesundheit haben wir ja alle. Ob man auch psychisch krank ist, psychisch kranke Angehörige oder Freund*innen hat oder einfach neugierig ist, ist egal.

Worauf seid Ihr besonders stolz? 

Wir sind stolz auf unsere Stammtische - zum Beispiel den ersten zum Thema "Gewaltfreie Kommunikation" und den zweiten zum Thema "Diagnose". Besonders freut uns, wenn eine fruchtbare Diskussion mit lebendigem Erfahrungsaustausch zustande kommt - gerade wenn Besucher*innen kommen, die nicht zum Projektteam gehören. 

Was wünscht Ihr Euch für die Zukunft?  

Wir wünschen uns, dass  wir  den Online-Auftritt ausbauen und  neue Leute anziehen: Aktive Stammtisch-Besucher*innen, die etwas (über sich) lernen und ihre Perspektiven mitbringen wollen. Auch suchen wir Teammitglieder, die ab und zu Beiträge für die Website schreiben, sowie Expert*innen, die ihre Einschätzung und Kompetenzen während eines Stammtischs einbringen. Und wenn wir  einer Person dabei  geholfen haben, sich für das Thema zu öffnen, dann ist  Psych_Ed erfolgreich!

Mehr zum Stammtisch findet ihr auf der Projektseite von Psych_Ed. Außerdem haben wir gesammelt, wie du dich einer Projektgruppe anschließen und wie du dein eigenes Projekt bei junge Stadt Köln starten kannst.

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Kommentar von Toni |

Interessierte können sich gern melden.
Schön zusammengestellt!