Wie funktioniert ein Praktikum bei junge Stadt Köln?

Von März bis Mai 2021 unterstützt Sancia als Praktikantin das junge Stadt Köln-Team. Welche Aufgaben sie übernimmt, welches Projekt sie selbst organisiert und wie so ein Praktikumstag aussehen kann, erzählt sie im Interview.

Hi Sancia! Du bist ja jetzt schon in deiner dritten Praktikumswoche bei uns. Wie sieht so ein typischer Arbeitstag bei dir aus?

Die Antwort hapert schon an dem Wort „typisch” - denn bisher war kein Tag wie der andere. Ich arbeite im Wochenwechsel im Homeoffice und im Büro. Aber meistens fängt der Tag mit einer kurzen Besprechung mit Frank, meinem Praktikumsbetreuer, an, während der wir die Aufgaben durchgehen. Danach habe ich Zeit, um mich Recherche oder E-Mails zu widmen, kann mich mit den anderen Mitarbeiter:innen von junge Stadt Köln kurzschließen oder für die aktuellen Projekte brainstormen. Mittags gibt es eine gemeinsame Mittagspause und nachmittags habe ich wieder Zeit zu arbeiten. Da erledige ich auch gerne „no-brain”-Aufgaben wie das Neusortieren von Büchern und das Packen der Startboxen - das hilft beim Denken nach dem Mittagstief. Bevor ich heim gehe, bespreche ich meistens nochmal mit Frank den Tag und schaue, was noch möglich ist. Ganz wichtiges Arbeitsritual: eine frische Tasse Tee! Damit fängt jeder Tag an und hört auch wieder damit auf. Ohne Tee geht nichts.

Was sind denn eigentlich deine Aufgaben? Und wie eigenverantwortlich kannst du hier arbeiten?

Ich würde sagen, so eigenverantwortlich wie man das als Praktikantin überhaupt kann?! Ich bin ziemlich ungebunden in meiner Aufgabengestaltung, frei nach dem Motto: Aus jeder abgeschlossenen Aufgabe ergibt sich sofort die nächste. Das habe ich besonders bei der Projektarbeit für unser neues Projekt „Lizenz zum Dichten” festgestellt: Neben der Katalogisierung der junge Stadt Köln-Bibliothek, Rechercheaufgaben für das Mentoring-Projekt und dem Packen der Starthilfeboxen ist „Lizenz zum Dichten“ sozusagen mein „Baby” und das, womit ich mich bisher am meisten beschäftige.

Dabei geht es um junge Lyrik in und um Köln: In der – hoffentlich nahen – Zukunft möchte „Lizenz zum Dichten” eine Plattform für Lyrik bieten, die von Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 15 und 25 Jahren geschaffen wird. Gedichte haben leider ein denkbar schlechtes Image und werden spätestens in der Schule kaputt gelehrt, obwohl gerade zeitgenössische Lyrik so viel Potenzial bietet. Ob Songtext, Poetry-Slam oder klassische Ballade - spätestens Amanda Gorman hat bewiesen, dass junge Menschen viel zu sagen haben. Dafür wollen wir einen Rahmen schaffen und junge Lyrik in den öffentlichen Raum bringen. Wir planen einem regelmäßigen Raum, um über eigene Werke zu sprechen, sich gegenseitig Feedback zu geben und Gleichgesinnte zu treffen, und eine offene, möglichst inklusive Ausschreibung. Von der Ideenfindung über die Homepagegestaltung, die Team-Akquise und das Anschreiben von Kooperationspartner:innen mache ich momentan eigentlich alles gleichzeitig.

Das „Lizenz zum Dichten“-Projekt nimmt also viel Raum in deinem Praktikum ein. Was ist deine Verbindung zu Lyrik?

Ich war sehr lange der Meinung, dass „echte” Lyrik so etwas Mystisches und Besonderes ist, dass ich gar nicht wirklich begreife und auch bestimmt nicht selber mache. Ich habe zwar schon immer gerne Worte gesammelt und lyrische Miniaturen fabriziert, aber die habe ich niemandem gezeigt und auch nicht bearbeitet. Aber trotzdem faszinierte mich moderne Lyrik immer. Erst über ein Lyrikseminar mit Sudabeh Mohafez habe ich festgestellt, dass meine Berührungsängste eigentlich hauptsächlich mit fehlender Erfahrung und einer verschrobenen, in der Schule vermittelten Idee von Anspruch zu tun hatten. Seither schreibe ich mehr und habe auch einige Techniken für das Arbeiten mit Gedichten gelernt. Obwohl ich weiterhin hauptsächlich Prosa schreibe, möchte ich so gern die Hemmschwelle und den “Peinlichkeitsfaktor”, der Gedichte irgendwie von anderen Textsorten abtrennt, auflösen. Worte können so großartige Dinge mit Menschen tun!

junge Stadt Köln kennst du ja nicht erst seit deinem Praktikum. Erzähl mal, wie du zu junge Stadt Köln gekommen bist und was du damit verbindest!

Eigentlich ist meine Verbindung zu junge Stadt Köln die Stadtgestalterin Toni. Sie war schon ganz zu Anfang beim Projekt K50 dabei und ich habe als ihre Kindheitsfreundin natürlich immer passiv mitbekommen, dass es junge Stadt Köln gibt. Richtig dazugekommen bin ich aber erst, als die Projektinitiative gegründet wurde. Ich war bei einer Handvoll Treffen und habe zum Beispiel die Geburt des Legorampenprojektes miterleben dürfen. „Lizenz zum Dichten“ war die Idee, die ich zu diesem Zeitpunkt am liebsten umgesetzt hätte. Kurz darauf bin ich allerdings zum Studium nach Hildesheim gezogen. Seither ist das Projekt stehen geblieben und ich habe nur noch über den Newsletter und Tonis Berichte Kontakt gehalten. Umso schöner ist es, wie selbstverständlich ich jetzt im Rahmen meines Praktikums wieder einsteigen konnte - vor allem weil ich jetzt auch die Zeit und Kapazitäten habe, mehr auf die Beine zu stellen als vor drei Jahren! Das ist, glaube ich, auch das, was ich am meisten mit junge Stadt Köln verbinde: Es ist der Raum, in dem Dinge möglich sind, wenn du nur bereit bist, Zeit und Engagement zu investieren. Das ist sehr, sehr knorke.

Neun Wochen hast du noch vor dir: Was sind deine Ziele? Was möchtest du gerne noch umsetzen?

Ich glaube, da setzt nur mein Größenwahn mir Grenzen! Ich wünsche mir wirklich, dass „Lizenz zum Dichten“ so viel Schwung aufnimmt, dass es auch nach meinem Praktikum weiter läuft. Es wäre wunderbar, wenn ich als Ehrenämtlerin dabei bleiben könnte und genügend Leute dabei wären, dass es funktioniert. Ich möchte wirklich gerne die Ausschreibung für die Gedichte entwerfen, ein paar Unterstützer:innen an Land ziehen, die uns helfen, die Gedichte in den öffentlichen Raum zu bringen und wenn möglich schon mal ein oder zwei Workshops konzipieren. Außerdem plane ich eine Reihe von Interviews und Gesprächen mit Lyriker:innen aus Deutschland, in denen wir gemeinsam über die Bedeutung und den Raum von Gedichten im Leben von jungen Menschen sprechen.

Und ich möchte noch mehr von den Strukturen verstehen, die die Projektarbeit im Hintergrund stützten: Von Stiftungsanträgen über Recherche, Homepagegestaltung und Social-Media-Präsenz - all das ist unverzichtbar und so eng miteinander verzahnt, dass es zusammengreift. Für mich ist das ziemlich witzig, weil ich eigentlich gar nicht gut mit digitalem Zeug bin und bis vor ein paar Jahren auch große Schwierigkeiten mit offiziellen Anrufen und Mails hatte. Aber es ist immer gut, wenn man sich seinen Schwächen stellt - und bisher macht es mir wirklich Spaß!

Ich freue mich also schon darauf, zu schauen, wohin meine Aufgaben und Ideen mich treiben! Sicherlich tauchen auch noch mehr Ziele auf, als umsetzbar sind. Aber wenn möglich würde ich mich freuen, wenn ich nach meinem Praktikum genug gelernt habe, um weitere Projekte z.B. ehrenamtlich zu unterstützen.

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