Neues Jahr - neues Ich?

Stammtisch vom 07.01.2021 zum Thema Neujahrsvorsätze

 

Gleich nach den weihnachtlichen Dezembertagen kommt schon die Neujahrsfeier daher und mit ihr die altbekannten Neujahrsvorsätze: „Ich will im kommenden Jahr 30 Kilo abnehmen.“ „Ich werde in diesem Jahr jeden Tag zehn Kilometer joggen.“ „Keine Süßigkeiten mehr! Diesmal wirklich.“

Alles Aussagen, die man bei der Silvesterparty bestimmt schon einmal halbherzig gesagt bekommen hat, die aber mit dem wirklichen Umsetzen von Zielen wenig zu tun haben. So wird oft mit Neujahrsvorsätzen um sich geworfen wie mit Konfetti – oder?

Bei unserem Stammtisch im Januar haben wir uns darüber unterhalten, wie sich ein Neujahrsziel realisieren lässt bzw. was einen davon abhalten kann, es umzusetzen. Außerdem haben wir darüber gesprochen, ob Neujahrsvorsätze eher gut oder schlecht sind und welche Strategien es zur Erreichung der Ziele gibt.

 

1. Neujahrsziele - gut oder schlecht?

Wie wir bei unseren Aussagen zu der hypothetisch (danke lieber Coronavirus) besuchten Silvesterparty bereits festgestellt haben, sind die nicht wirklich ernsthaft überlegten Neujahrsziele oft eher unrealistisch und unspezifisch gehalten. Früher oder später führt das wahrscheinlich dazu, dass die Umsetzung scheitert, was dann in den meisten Fällen unweigerlich in Frustration endet. Ein Jahr ist kurz und lang zugleich, je nachdem wie man es betrachtet. Nun überschätzen sich viele mit klischeehaften Mammutzielen, die in einem Jahr nicht erreichbar, in mehreren Jahren bei regelmäßiger Umsetzung jedoch absolut realistisch sind. Auch macht es einen Unterschied, ob wir uns ein Ziel vornehmen, das einen Endpunkt hat, also im Prinzip „fertig“ werden kann, oder ob wir Ziele haben, die eher in den Alltag eingebettet werden und kontinuierlich, sozusagen als Angewohnheit, durchgeführt werden sollten. Ob Neujahrsziele nun gut oder schlecht sind, ist letztendlich einfach Geschmackssache. Wenn man aber einen Vorsatz vernünftig angeht, kann er unter Umständen viel bewirken.

 

2. Smarte Ziele setzen

Wie bereits erwähnt, sind Neujahrsziele oft nicht spezifisch genug formuliert. Um sich Ziele konkret vor Augen zu führen, kann man das S.M.A.R.T. Modell benutzen. Hierbei stehen die Buchstaben für bestimmte Punkte, die man bei der Zielsetzung betrachten kann.

Das S steht hierbei für „spezifisch“ oder für „selbstbestimmt“ und bezieht sich darauf, ob das ausgewählte Ziel unmissverständlich beschrieben wurde und genug Details enthält.

Das M steht für „messbar“. Man sollte sich demnach fragen, an welchen Kennwerten oder konkreten Aspekten der Erfolg, Teil- oder Misserfolg erkannt werden kann („Wie erfasse ich den Fortschritt?“).

Das A steht für „attraktiv“ und hat nichts mit einem bestimmten Aussehen zu tun, sondern widmet sich der Frage, ob das gesetzte Neujahrsziel wirklich wünschenswert ist. Bei diesem Punkt ist besonders wichtig, das Ziel ohne Verneinungen und so positiv wie möglich zu formulieren. Zum Beispiel könnte man statt „Ich will keine schlimmen Alpträume und Schlafprobleme mehr haben. Ich will nicht mehr müde sein“ das Ziel lieber wie folgt formulieren: „Ich möchte wieder durchschlafen können. Ich wünsche mir mehr Energie für den Tag.“ Denn sich auf die positiven Aspekte seines Neujahrsziel zu konzentrieren, fördert die Motivation zur Umsetzung.

Das R im SMART-Modell steht für „realistisch“. Hierbei ist es wichtig, dass das Ziel eine mittelstarke Herausforderung darstellt, es demnach also weder zu einfach, noch zu schwierig ist.

Der letzte Buchstabe T für „terminiert“ bezieht sich auf den Zeitpunkt des Erreichens eines Ziels oder eines Teilziels, der zu Beginn festgelegt werden sollte. Wenn du also versuchst ein ernst gemeintes Neujahrsziel zu setzen, versuche es doch einfach mal, es mit dem SMART-Modell zu formulieren.

 

3. Woran kann es scheitern?

Nun ist das SMART-Modell gut und schön, um das Neujahrsziel konkret zu definieren und die Motivation dafür zu bündeln, scheitern kann der Vorsatz natürlich dennoch. Wir haben bei unserem Stammtisch darüber gesprochen, welche Erfahrungen die Teilnehmer mit dem Scheitern bei der Umsetzung von Neujahrszielen haben. Wieso werden die eigenen Neujahrsvorsätze meistens dann doch wieder in den Wind geschossen?

Da wir uns bei Psych_ED mit psychischer Gesundheit befassen, wurde natürlich zunächst das altbekannte Gegenstück dazu als Grund genannt: die psychischen Erkrankungen. Und da Depressionen, Angststörungen und Co. oft nicht alleine zu Besuch kommen, ist es absolut legitim, wenn man seine Kraft für das alltägliche Leben sorgsam einteilen muss. Da kommen anstrengende Neuanpassungen ab und an zu kurz und sollten auch nicht den Fokus darstellen. Bei psychischen Erkrankungen sollte die betroffene Person in jedem Fall professionelle Hilfe (z.B. psychologische Psychotherapie) in Anspruch nehmen und mit dieser Person dann das eigene Vorgehen, z.B. bei Neujahrszielen, besprechen. Man muss sich nicht schuldig fühlen, wenn man mit dieser Form von Belastung seine Neujahrsziele nicht erreicht.

Natürlich gibt es auch andere Gründe, weshalb Neujahrsvorsätze nicht ganz so umgesetzt werden, wie sie sollten. Ob es nun Zeitmangel, die Arbeit oder unvorhergesehene Ereignisse sind - bei solchen genannten Problemen liegt es oft (nicht immer!) an der eigenen Planung und Prioritätensetzung. Nutze das SMART-Modell für die Planung und schaue dir im Prozess dabei an, ob du bereit bist, dein Neujahrsziel als Priorität zu setzen. Es wird dir dann leichter fallen, deine freien 30 Minuten am Tag nicht dem ziellosen Scrollen in deinem Instagramfeed, sondern diese Zeit lieber der Umsetzung deines Neujahrsziels zu widmen.

Wenn du das noch nicht kannst oder möchtest, wirft dir das natürlich niemand vor und eventuell fühlst du dich später im Jahr bereit, dieses Ziel als Priorität zu betrachten. Vergiss nicht, dass du dir selbst diese Ziele vorgibst und du Prioritäten nur für dich persönlich setzt. Hast du ein Ziel, weil du es für dich erreichen möchtest? Oder ist es doch eher ein Mittel zum Zweck, um die Ansprüche der Gesellschaft oder deines Umfelds an dich zu erfüllen? Damit deine Ziele nicht scheitern, kannst du dir in jedem Fall auch deine eigenen Beweggründe vor Augen führen.

 

4. Umsetzung von Neujahrsvorsätzen

Es ist schon seltsam, dass wir unsere Neujahrsziele genau an einem festen Datum betrachten, obwohl der Mensch sich doch tagtäglich hinterfragt und oft nach mehr strebt. Nun kann man aber den vom Menschen festgelegten Jahreswechsel gut zur Betrachtung des alten Jahres verwenden. Reflektieren, was geschehen ist, wie man sich verändert hat, wo man hinmöchte. Wenn man sich gestern anschaut, wird sich zu heute wenig verändert haben, aber wenn man sich das vergangene Jahr ansieht, ist die Änderung enorm. Manchmal merken wir nicht, wo wir stehen und wo wir hinwollen, oder dass jeder Gedanke, den wir haben, uns doch beeinflusst, in uns fruchten kann und zu etwas Enormen und sogar zu unseren kompletten Zukunftsvorstellungen werden kann.

Letztendlich ist jeder einzelne Tag, ein Puzzleteil des gesamten Lebens, ein Teil eines großen Ganzen. Und es ist ab und zu schön, sich das vor Augen zu halten. Also lässt sich in jedem Fall sagen, dass Vorsätze nicht nur an Neujahr möglich sind, aber der Jahreswechsel definitiv eine gute Möglichkeit darstellt. Ob die Umsetzung nun gelingt, hängt von dem Einfluss deines Umfelds, den eigenen materiellen, aber auch personellen und mentalen Ressourcen ab. Dabei sollte man nicht vergessen, dass sich Vorsätze oft wandeln und andere Vorsätze daraus entstehen. Viele Menschen fänden es schlimm, heute dort zu sein, wo sie vor 10 Jahren hinwollten. Das Leben ist ein Prozess und ein Neujahrsvorsatz eben auch.

 

Hier noch einmal einige Neujahrsvorsätze, die jede*r einzelne Teilnehmer*in des Stammtisches ganz persönlich (via Etherpad) festgehalten hat und die euch vielleicht motivieren:

  • neugierig bleiben
  • regelmäßige Meditation
  • die eigene Zukunft angehen
  • Inspiration sammeln und ein Buch schreiben
  • „I wanna be a better vegan“
  • mehr lesen
  • … oder hören (Empfehlung: „murderbot diaries“)
  • meine Geschichte richtig erzählen (You have to tell your story properly)
  • zuvorkommender sein und die Selbstverständlichkeit finden, anderen zu helfen
  • nach den Sternen greifen ☆

 

 

Das Team von Psych_ED wünscht allen Leserinnen und Lesern einen positiven Start ins neue Jahr 2021!

 

Weihnachten & die eigene Belastbarkeit (03.12.2020)

Familienfeier-SOS: Psych_ED Stammtisch vom 03.12.2020

 

Für die meisten ist der Gedanke an Weihnachten mit schönen Gefühlen verknüpft. Gerade in den Medien wird das Thema in erster Linie auch immer positiv diskutiert: Harmonie, Liebe und eine gute Zeit mit der Familie stehen im Vordergrund. Dabei wird komplett ausgeblendet, dass Familienfeste für viele (wenn nicht für alle) auch mit negativen Emotionen verbunden sind. In der Realität ist das Weihnachtsfest nämlich selten so harmonisch und schön, wie es scheinbar sein sollte.

Beim Stammtisch am 3.12. haben wir gemeinsam überlegt, welche Erwartungen wir persönlich überhaupt an Weihnachten haben. Die meisten wünschen sich eine schöne Zeit mit den Menschen, die ihnen am wichtigsten sind und möglichst wenig Stress. Eigentlich gar keine so hohen Ansprüche, oder? Leider für viele schwieriger als es klingt. Irgendwie gelingt es vielen Familien letztendlich nicht, ein wirklich harmonisches Fest zu feiern.

Das hat unterschiedliche Gründe: Zum einen bietet allein schon das ganze Szenario an sich unterschiedliche Stressfaktoren: viele Menschen auf engem Raum, laute Gespräche, verschiedenste Gerüche. Die Gefahr einer Reizüberflutung ist schon beim Lesen greifbar. Und auch der eigene Anspruch an das Weihnachtsfest – nämlich harmonisch miteinander zu feiern - kann einen Stressfaktor darstellen. So sieht man der scheinbaren Harmonie zuliebe über viele Dinge hinweg, um Verwandte nicht zu enttäuschen oder Gespräche nicht in peinlicher Stille enden zu lassen. Man setzt keine Grenzen dort, wo man sie eigentlich hätte setzen müssen. Das eigene Wohlbefinden wird für die gute Stimmung der anderen geopfert.

Konflikte lassen sich meistens nur schwer wirklich vermeiden. Wenn man mit einem Familienmitglied einfach nicht über persönliche Themen reden möchte, aber immer wieder die gleichen Fragen gestellt werden. Wenn man sich mit Verwandten auseinandersetzen muss, die politisch schwierige Ansichten haben. Oder wenn man manche Leute einfach nicht gerne mag, ohne einen wirklichen Grund dafür zu haben – man aber scheinbar an Weihnachten so tun muss, als wäre alles super. Ob es die aufdringliche Tante, der etwas zu rechtsorientierte Cousin oder die neunmalkluge Schwester der Oma ist: Früher oder später reißt da jedem der Geduldsfaden.

An Weihnachten kommen in der Regel verschiedenste Menschen mit unterschiedlichen Erwartungen und Persönlichkeiten zusammen. Letztendlich ist es einfach keine Selbstverständlichkeit, das alles in perfekter Harmonie abläuft. Das zu akzeptieren, ist vielleicht ein erster Schritt, mit möglichen Konfliktsituationen entspannter umzugehen.

Ansonsten lassen sich die Lösungen, die wir gemeinsam beim Stammtisch besprochen haben, grob in zwei Kategorien einteilen: zum einen kann man versuchen, Konflikte präventiv vorzubeugen und zum anderen kann man sein Bestes tun, sich diesen Situationen effektiv und möglichst ohne Stress zu entziehen.

 

Prävention statt Eskalation

Die ersten Kategorie kann man als „nachhaltiger“ beschreiben, aber eben auch als schwieriger in der Umsetzung. Sie sind deshalb auch nicht die „besseren“ Ansätze, sondern einfach nur eine weitere Möglichkeit, mit dieser Problematik umzugehen. Eine Möglichkeit ist es zum Beispiel, sich vorher aktiv Gedanken darüber zu machen, welche möglichen Konfliktsituationen entstehen können. Vielleicht kann man die aufdringliche Tante, die immer wieder die gleichen unangenehmen Fragen stellt, vor dem Weihnachtsfest mal anrufen und ihr sagen, dass man über bestimmte Themen einfach nicht reden möchte. Oder versuchen sich, bevor wieder ein Streit um das genaue Programm an Heiligabend entsteht, in die Lage der anderen hineinzuversetzen und so im Voraus gemeinsam Kompromisse vereinbaren. Das beugt eventuell enttäuschten Erwartungen vor.

 

Grenzen setzen

Es ist leider dennoch klar, dass so produktiv nicht alle Familien miteinander reden können. Deshalb ist es in manchen Fällen nur möglich, sich darauf zu konzentrieren, das Stresslevel zu reduzieren und Rückzugsorte zu schaffen. Zum Beispiel kann man sich bewusst machen, dass man niemandem etwas schuldig ist. Man kann versuchen, sich aus dem kollektivistischen Denken innerhalb vieler Familien an Weihnachten ein wenig zu befreien und sich bewusst darüber sein, wie wichtig es ist, eigene Grenzen zu setzen.

Das kann konfrontativ geschehen, indem man klar sagt, dass man über ein Thema nicht reden möchte, aber das kann auch geschehen, indem man sich selbst einen Rückzugsort sucht – sich in eine ruhige Ecke des Raumes setzt, mal für einige Minuten den Raum komplett verlässt oder einen kleinen Spaziergang macht. Letzteres ist übrigens auch für die gesamte Familie möglich und ein guter Programmpunkt: Man entkommt für einen Moment der Reizüberflutung im stickigwarmen Wohnzimmer – und kann sich außerdem in kleinen Gruppen zusammen finden, mit den Leuten, mit denen der Umgang am entspanntesten ist. Ein sogar sozial erwünschter Ansatz, sich den Konflikten mit anderen erwachsenen Personen zu entziehen, kann auch darin liegen, mit einem der anwesenden Kindern zu spielen – es wird kaum einer nachfragen, wieso man denn nicht mit den anderen redet, gleichzeitig hat man jedoch Ruhe vor unangenehmen Fragen.

 

Durch Corona feiert man dieses Jahr in vielen Familien (hoffentlich) sowieso im kleineren Kreis. Vielleicht ein Anreiz, um Weihnachten mal ganz radikal anders zu denken, und anstatt mit der Familie, stattdessen mit Freunden zu feiern oder eben mit den Menschen, die einem am wichtigsten sind.

 

Corona und psychische Gesundheit: Tipps vom PsychEd Stammtisch (05.11.2020)

Eine Nation in Isolation: Corona und psychische Gesundheit

Beim vergangenen Novemberstammtisch konnten wir in Gesprächen mit alten und neuen Gesichtern verschiedene Ideen zum lösungsorientierten Umgang mit dem Coronalockdown zusammentragen, die sich auf die Themen Selbstfürsorge, Beschäftigung, gemeinsame Aktivitäten, sinnvolle Technologien und generelle Hilfen sowie auf positive Aspekte des Lockdowns bezogen haben. Wir finden es wichtig, in diesen unsicheren Zeiten nicht den Mut zu verlieren und sich an die eher gesundheitförderlichen Aspekte zu halten. Im Folgenden nun für euch ein kleiner Einblick in die Themen und die Lösungsstrategien der einzelnen Teilnehmenden des letzten Stammtischs, die wir gemeinsam bequatschen konnten und für euch, hoffentlich auch eine kleine Hilfe darstellen können.

 

Selbstfürsorge (Self Care, Produktivität)

Bei der Selbstfürsorge geht es um das Pflegen des Selbst und den liebevollen Umgang mit der eigenen Person. Hier konnten wir nochmals unterteilen in den im Alltagsgebrauch bekannten Begriff der Self Care, sowie in den Aspekt der Produktiviät. Das kann so ziemlich jeden Bereich des Lebens umfassen.

 

  • Self Care

Wer die dunkle und graue Jahreszeit als belastend empfindet, kann sich für den eigenen Melatoninhaushalt im Körper eine Tageslichtlampe zulegen. Diese kann zum Beispiel nebenbei beim Lernen oder anderen Tätigkeiten angeschaltet werden kann und imitiert Sonnenlicht. Sie bringt den Körper dazu, mehr Serotonin zu produzieren - ein Hormon, das auch als Glückshormon bekannt ist.

In unserem Austausch waren auch das Hören von der Lieblingsmusik/dem Lieblingspodcast oder Spazieren gehen im Freien absolut einstimmig positive Arten, seine Zeit im Lockdown zu verbringen. Es ist wissenschaftlich sowieso nachgewiesen: Sport macht glücklich! Vielleicht nicht direkt während man beim ersten Joggingversuch verzweifelt nach Luft schnappt, aber eindeutig mit etwas Übung verbessert es das grundsätzliche (auch mentale) Wohlbefinden. Und Sport mit Coronabeschränkungen bedeutet ja glücklicherweise nicht immer nur Joggen zu gehen.

Yoga und Kraftsport mit dem eigenen Körpergewicht sind auch Möglichkeiten, die man in Betracht ziehen kann. Sport unterstützt hierbei auch durch den Abbau von Stresshormonen, das Entspannen im Lockdown-Alltag. Dabei ist für viele zudem das Meditieren eine enorme Hilfe, in unruhigen Zeiten einen kühlen Kopf zu bewahren. Apps die dabei helfen könnten, wären zum Beispiel 7mind oder Headspace.

 

  • Produktivität

Während des Lockdowns ist eine (relativ) feste Tagesstruktur absolut essenziell, um mental fit zu bleiben und nicht in den „Coronatrott“ zu geraten. Wer produktiv ist fühlt sich im Allgemeinen besser mit sich selbst und kann sich am Ende des Tages kaum den  Vorwurf machen, als einzige Tagesaktivität die dritte Staffel der Netflix-Lieblingsserie durchgeguckt zu haben (obwohl das ab und zu natürlich auch nicht verkehrt ist). Dennoch, den ganzen Tag am Handy zu sitzen ist natürlich für Niemanden wirklich förderlich.

Hier gibt es einige Apps, die dabei helfen können – zum Beispiel Apps, die das Handy für gewisse Zeit sperrt, sodass man es in dem Zeitraum nicht verwenden kann Ein Beispiel ist die App Forest, die gratis erhältlich ist und für jeden konzentrierten Zeitraum ein digitales Bäumchen „pflanzt“. Bei Apple Geräten ist diese Handysperrfunktion sogar bereits integriert.

Das Handy für eine Zeit nicht zu benutzen kann die Effizienz beim Lernen (zum Beispiel fürs Studium) fördern. Unterstützend wirken auch Lerntechniken wie Pomodoro oder Lofi. Manchen Leuten hilft Hintergrundmusik („study music“), die man  zum Beispiel über YouTube hören kann. Für den Alltag ist kann es beruhigend sein, ein Bullet Journal zu führen und dieses dann eventuell sogar individuell, kreativ zu gestalten. Auch Done-Listen anstatt ToDo-Listen können bei einem Lockdown motivierend sein und weniger erdrückend wirken.

 

Beschäftigung und (neue) Hobbys

In der Diskussion über neue Beschäftigungen und Unterhaltungsformen wurde sehr klar deutlich, dass es viel Freude und auch irgendwie auch Stolz auf seine eigene Arbeit bringt, wenn man etwas selbst herstellen oder erstellen kann. Von Plätzchen backen und dekorieren, über Pflanzen umtopfen und vermehren, stricken, sticken, häkeln, Origami falten, basteln, neue Rezepte auszuprobieren, eigene Texte oder Geschichten erfinden und aufzuschreiben, bis letztendlich in Minecraft riesige digitale Monumente zu errichten: etwas selbst Aufzubauen macht Spaß und ermutigt.

Der Lockdown bietet auch die Chance, etwas komplett neu zu erlernen: Programmiersprachen (z.B. über Codecademy), Instrumente (um die Nachbarn zu ärgern), Yoga (z.B. über die Youtube Kanäle Yoga with Adriene, Yoga with Kassandra oder Apps wie Daily Yoga etc.) oder auch Sprachen. Für alle ist bei genauem Suchen etwas dabei.

 

Ideen für gemeinsame Aktivitäten

Bei Aktivitäten mit anderen ist es wichtig, die aktuell geltenden Corona-Maßnahmen einzuhalten. Im erlaubten Rahmen können je nach Wetter Aktivitäten im Freien unternommen werden, wie beispielsweise Tischtennis spielen, ein kleines Picknick veranstalten, Spazierengehen oder das Beobachten von Vögeln und anderen kleinen Bewohnern im Wald oder Park. Online wären zum Beispiel Pen & Paper oder das Zocken mit Freunden möglich und problemlos mit den Maßnahmen vereinbar. Die App Houseparty ermöglicht zudem eine kreative Art des Onlinetreffens mit Freunden.

 

Sinnvolle Technologien

Extrem viele Punkte auf unserer Lösungsliste lassen sich durch Youtube verwirklichen. Entertainment bieten, Lernfunktion annehmen und Hintergrundatmosphäre schaffen - so ziemlich alles ist möglich. Wer beim Lernen einer Sprache aber genauere Anleitung und präzisere Unterstützung benötigt, kann Sprachapps wie Babble verwenden. Hörbuchstreaming-Anbieter (z. B. Audible, Spotify uvm.) bieten spannende Hörspiele an, wenn man gerade keine Lust hat ein Buch oder den eBook-Reader in der Hand zu halten und einfach ein bisschen zur Entspannung lauschen möchte. Ebenfalls entspannend  ist nachweislich auch das Ansehen von Videos von Naturlandschaften. Und um trotz Social Distancing mit den engen Vertrauten in Kontakt zu bleiben eignen sich Zoom oder Skype, Discord, das altbekannte Telefon oder vielleicht sogar Briefe und Postkarten.

 

Generelle Hilfen

Bei uns geht es an erster Stelle immer um mentale Gesundheit. Man sollte sich immer Hilfe suchen wenn man das Gefühl hat, dass man sie brauchen könnte. Hierbei sind besonders Online-Therapieangebote eine mögliche Anlaufstelle, die man über Websites wie der des Bundesministeriums oder der Eckhard-Busch-Stiftung (unter Rubrik Corona) aufsuchen kann und bei Bedarf nutzen sollte. Ebenfalls unterstützend kann auch ein Dankbarkeitstagebuch sein, in dem man die eigenen Ressourcen für sich selbst nochmals ins Bewusstsein rufen kann. Einige Krankenkassen bieten außerdem Hilfen an, die einem zu Gute kommen können.

 

Positive Aspekte

Nun hat der Lockdown, neben den ganzen negativen Seiten, in jedem Fall auch einige gute. Insbesondere, dass auf einmal mehr Zeit für die Dinge des Lebens da ist, die sonst immer zu kurz kommen. Ob es das Putzen der Regenrinne ist oder das Loch in der Socke, das seit gefühlten Ewigkeiten geflickt werden muss, Zeit fürs Lernen, fürs Arbeiten, für den Wohnungsputz, fürs Kleidung sortieren oder dann doch einfach für Self Care - sinnvoll kann man die Zeit allemal verbringen.

Durch weniger Anfahrten (durch Homeoffice oder das digitale Uniangebot), auf die man auch im „Vor-Corona-Alltag“ sicher nicht immer Lust gehabt hat, spart man außerdem einiges an Zeit. Ob man nun durch weniger Restaurantbesuche Geld spart oder das übrig gebliebene Kleingeld dann doch beim Online-Shopping investiert, ist von Person zu Person wieder ganz unterschiedlich.

Auch wenn es bei dem Einen eventuell öfter, beim Anderen dafür seltener zu einem unguten Gefühl durch die Situation kommt und jeder mit den Herausforderungen anders und individuell umgeht, sollten wir alle am Ende gemeinsam versuchen, die Gesellschaft zusammenzuhalten und uns (z.B. durch Nachbarschaftshilfen) solidarisch zeigen. Am Ende heißt es: Maske auf und Mut bewahren.

Berufliche Chancen trotz psychischer Behinderung: Interview

Ausbildung und psychische Behinderung unter einem Hut

Marlon ist 24 Jahre alt, kommt ursprünglich aus dem Aachener Umkreis und lebt zurzeit in Köln. Er ist psychisch (seelisch) behindert und möchte demnächst eine Ausbildung zum Tischler beginnen. Warum er dafür nach Bremen zieht und wie das Bewerbungsverfahren in der Reha-Abteilung abläuft, erfährst du im folgenden Interview.

 

Was machst du bei junge Stadt Köln?

Ich bin Teammitglied vom Projekt Psych_Ed und setze mich für die Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen ein, sodass es nicht mehr nur um die Krankheiten, sondern um die psychische Gesundheit im Allgemeinen geht.

 

Du wirst jetzt von Köln nach Bremen ziehen und dort deine Ausbildung zum Tischler absolvieren. Warum ging das in Köln nicht? Und warum gerade Bremen?

Ich habe mich ganz normal auf Ausbildungsplätze in Köln beworben, denn ich würde sehr gerne in Köln bleiben. Aber in der freien Wirtschaft hatte ich mit meinem Lebenslauf und den Problemen, die ich so habe, keine Chance. Daraufhin bin ich zum Arbeitsamt gegangen und habe gefragt, ob es eine Möglichkeit gibt, dass sie mir helfen, einen Ausbildungsplatz zu finden. Dort wurde ich dann in die Reha-Abteilung weitergeleitet. Der Sachbearbeiter hat mir die Wahl zwischen drei verschiedenen Berufsbildungswerken gegeben, bei denen ich die Ausbildung machen kann und davon fand ich Bremen am reizvollsten, da ich die Stadt und den deutschen Norden sehr mag. In Köln konnte ich die Ausbildung leider nicht machen, da die Berufsbildungswerke hier und in der Nähe für Menschen mit anderen Arten von Behinderungen* gedacht sind oder die Ausbildung zum Tischler nicht anbieten.

 

Was sind Berufsbildungswerke?

Berufsbildungswerke sind Einrichtungen, die jungen Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit geben, eine Teilhabe am Berufsleben zu erreichen. Sie bieten Ausbildungen an, die im Abschluss den Ausbildungen auf dem ersten Arbeitsmarkt gleichgestellt sind oder spezielle Fachpraktiker-Ausbildungen. Von den Anforderungen an den theoretischen Teil liegen diese Fachpraktiker-Ausbildungen ein bisschen unter dem eigentlichen Niveau des Ausbildungsberufes. In Berufsbildungswerken kann man auch Berufe ausprobieren. Es gibt für die Handwerksberufe einen Werkstattbereich und einen schulischen Teil in einem. Sozialarbeiter, Psychologen, Physiotherapeuten und Ärzte sind auch immer vor Ort, um den Azubis die beste Unterstützung zu bieten. Dadurch kann auf die speziellen Bedürfnisse jedes einzelnen Menschen eingegangen werden.

Es ist schon erstaunlich, dass etwas so relevantes so unbekannt ist.

 

Wie lief das Bewerbungsverfahren ab?

Das ist ganz anders als man es kennt, da diese Ausbildung keine Ausbildung im klassischen Sinn ist. Es ist im Grund eine Reha-Maßnahme, die vom Arbeitsamt bezahlt wird. Diese wird vom Arbeitsamt bewilligt. Bei mir lief das so ab, dass ich zu einer Berufsberatung gegangen bin und die Sachbearbeiterin dort war so nett, mir zu sagen, dass ich mit meinem Grad der Behinderung (40) besser in die Reha-Abteilung gehe. Zuerst hatte ich ein Gespräch mit dem ärztlichen Dienst – in meinem Fall eine Psychiaterin (je nach Art der Behinderung anderer Facharzt). Danach gab es einen psychologischen Test. Wie diese klassischen Eignungstests. Ich saß am Computer und musste Aufgaben lösen. Und die haben geschaut, inwieweit das den Anforderungen als Tischler entspricht. Mit einer Psychologin habe ich über meine Ergebnisse gesprochen und auch meine generelle Situation und wie ich unterstützt werden kann.

Der Sachbearbeiter hat mir dann gezeigt, welche Möglichkeiten ich habe.

Ich werde vor der Ausbildung eine Arbeitserprobung machen. Da kann ich dann vier Wochen erst mal austesten, ob ich diese Ausbildung wirklich machen möchte, damit nicht schon wieder eine abgebrochene Ausbildung in meinem Lebenslauf steht. Das ist auch ein Problem, dass ich früher hatte. Eine frühere Ausbildung und auch ein Studium habe ich abgebrochen, weil der psychische Druck für mich zu hoch war.

 

Warum hast du die Unterstützung der Agentur für Arbeit in Anspruch genommen?

Ich bin zur Agentur für Arbeit gegangen, weil ich mit meinen normalen Bewerbungen auf dem normalen Arbeitsmarkt nicht weiterkam. Da ich sowohl meine Ausbildung als auch mein Studium abgebrochen habe, weil der psychische Druck zu hoch war, brauchte ich Unterstützung bei meiner Bewerbung. Und bei der Agentur für Arbeit kann man die Unterstützung erhalten, die man braucht.

 

Hast du auch negative Erfahrungen gemacht?

Ich hatte das Gefühl, dass ich sehr viel Glück hatte. Schon die erste Sachbearbeiterin bei der ich war, war extrem nett und hat mich direkt an die Reha-Abteilung weitergeleitet, und mir gesagt, wie das alles schneller gehen kann. Scheinbar gibt es viele Menschen, die diese Leistungen in Anspruch nehmen, da kann es manchmal einfach dauern. Sie hat mich auch immer wieder dafür gelobt, wenn ich angerufen habe und sie meinte, nur so kann sie dann auch dafür sorgen, dass es etwas schneller vorwärts geht.

Die Wartezeit war das einzige, was mir negativ in Erinnerung geblieben ist.

Der Sachbearbeiter in der Reha-Abteilung ist ein total cooler Mensch, der sich die Zeit genommen hat, mir zu erklären wie das alles abläuft. Der sich auch dafür interessiert hat, was bei mir so die Lage ist. Was für Bedürfnisse ich habe. Er hat dann auch dafür gesorgt, als er mich beim Berufsbildungswerk in Bremen angemeldet hat, dass alle Infos übermittelt werden, damit ich dort nicht alles nochmal von vorne erzählen muss. Dass alles schon bekannt ist und ich so komfortabel wie möglich nach Bremen ziehen kann.

Ich habe auch das Gefühl, dass sich in der Reha-Abteilung wirklich um die Menschen gekümmert wird, und das Ziel nicht ist einfach nur mehr Arbeitskräfte zu erschaffen.

 

Was rätst du anderen Menschen?

Ich kann jedem raten, der Probleme mit seinen Bewerbungen hat, einfach mal in der Reha Abteilung zu fragen. Natürlich braucht man einen Grund in die Reha Abteilung zu müssen. Auf der Website der Agentur für Arbeit ist dargestellt, an welche Menschen sich das Angebot richtet. Aber wenn man da reinfällt, ist es das definitiv wert, sich mal einen Termin geben zu lassen und einfach mal mit den Leuten zu reden.

Ich rate auf jeden Fall zu viel Geduld. Alle paar Wochen mal anrufen und nachfragen, damit die Menschen dort sehen, dass man wirklich interessiert ist und auch wirklich was erreichen möchte. Die können einem nur helfen, wenn man das tatsächlich auch möchte und je mehr man zeigt, dass man diese Hilfe haben möchte, desto schneller geht das dann auch und desto mehr engagieren sich die Menschen für einen.

Geduld, Dranbleiben und sich auch tatsächlich trauen, um Hilfe zu bitten. Es war für mich ziemlich schwer mir das einzugestehen, dass ich diese Hilfe brauche und das dann halt auch so zu kommunizieren, dass ich sie kriegen kann. Sehr wichtiger Punkt, den man nur mit sich selbst ausmachen kann, das aber auch definitiv sollte.

 

Das Interview wurde am 18.05.2020 von Johanna durchgeführt.

Die Psych_Ed-Tippsammlung zum Social Distancing (13.05.2020)

Hilfe, mein Alltag ist weg! Die Psych_Ed-Tippsammlung zum Social Distancing

Du hast etwas zu tun, bekommst das aber zu Hause nicht hin?

I feel you. Hier ist, was meine damalige Therapeutin mir in der Grundschule beigebracht (und mich damit bis zum Abi und darüber hinaus gerettet) hat: Finde heraus, ob du besser auf Zeit oder besser auf ein Ergebnis hin arbeitest. Dann nimm dir sehr kurze, sehr erreichbare Dinge vor.

Ergebnisorientiert heißt das:
- ich schreibe heute eine halbe Seite an meiner Hausarbeit.

- ich schreibe heute 5 Karteikarten.

- ich schreibe heute 500 Worte.
- ich putze heute das Waschbecken.

Sorg dafür, dass du schnelle, kurze Erfolgserlebnisse hast, statt vor den großen Bergen “Uniarbeit”, “Frühjahrsputz” ect. erstarrst. Wenn du das geschafft hast, checke deine Gefühle - schaffst du eine weitere Einheit? Mache sie entsprechend deiner Erfahrung kleiner oder größer.
Zeitorientiert heißt vor allem: Stell dir einen Wecker. Wenn dein Handy dich ablenkt, nutze die App Forest - sie sperrt dein Handy für einen von dir vorgegeben Zeitraum. Du kannst im Notfall natürlich trotzdem dran, aber dann stirbt ein niedlicher virtueller Baum.

Ansonsten stelle deine Handy-Stoppuhr, eine Eieruhr, was auch immer, auf eine Zeitspanne, die dir machbar erscheint. Halbe Stunde? Krass. Drei Minuten? Go for it. Das schaffst du. Wenn es mir besonders schlecht geht, stelle ich sie auf eine Minute. Wenn ich die geschafft habe, stelle ich den nächsten Wecker auf zwei Minuten. Dann drei, dann vier, und so weiter. Bei 10 Minuten fühlt es sich immer noch sehr kurz an, und man hat insgesamt schon 47 Minuten gearbeitet.

Finde deine Soundscape. Für mich gibt es nichts Ablenkenderes als eine stille Wohnung. Je nach Stimmung lässt die sich am besten von einer lo-fi Playlist auf Spotify vertreiben, mal, wenn Musik mich ablenkt, von “Hufflepuff Common Room” Background Noise auf YouTube. Finde heraus, was für dich passt.

Mache gute Pausen. Schaue so lange aus dem Fenster, dass deine Augen sich vom Bildschirm erholen. Steh auf. Geh spazieren. Mach Musik an.  

Trink viel. Wasser, Saft, Tee. Nicht nur Koffein.



Du hast nichts zu tun und bist gelangweilt?

Du hängst zu Hause, bist einsam und gelangweilt und versumpfst in einem depressionsartigen Zustand. Du schaust den ganzen Tag Serien und weißt nichts mit dir anzufangen, weil es in den Medien klingt, als tobe draußen die Zombieapokalypse. Du willst dich ablenken, weißt aber nicht wie. Hier ein paar Ideen, die mich persönlich durch die panikmachende Freizeit retten.

  • Folge den richtigen Leuten auf Social Media.
    Das sind die, die dir mehr gute Gefühle vermitteln als Schuld, weil du dich vergleichst. Das sind vielleicht Wysa auf Instagram oder die Eckhard-Busch-Stiftung auf Facebook. Auch auf deinen Social-Media-Feeds lohnt sich ein Frühjahrsputz.
  • Dazu gehört: Prüfe deinen Nachrichten-Konsum.
    Ignoriere die ständigen Pushnachrichten darüber, wer jetzt neu betroffen ist. Halte dich an eine kontrollierte Beobachtung von Tagesschau, Deutschlandfunk-Podcast oder deinem Nachrichtenmedium of Choice.
  • Bleibe im Kontakt. Stell dir vielleicht einen Timer, um jeden Tag mindestens eine Person anzurufen, die dir etwas bedeutet, die du jetzt gerade aber leider nicht sehen kannst. Das kann deine Oma sein, die vermutlich gerade etwas an Isolation leidet, oder dein*e beste*r Freund*in, den*die du sonst jede Woche siehst. Vielleicht schreibst Du auch mal eine Postkarte? Auch gemeinsame Videospiele, Skype- oder Zoom-Calls und Discord- oder Google-Hangouts können gerade Gruppen helfen. Man hört ja selbst von Menschen, die auf diese Weise Brettspielabende veranstalten.
    Außerdem: Finde eine Möglichkeit, etwas gemeinsam mit Anderen auf die Beine zu stellen, zum Beispiel ein Projekt von junge Stadt Köln.
  • Sich um Haustiere zu kümmern, kann beruhigen und begeistern. Wenn Du noch kein Tier hast, lässt sich auch viel Zeit mit Recherche und Vorbereitung verbringen. Annika empfiehlt eine Wurmfarm. Die überlebt es sogar, wenn Du nach Corona mal in den Urlaub fährst.
  • Pflanzen sehen hübsch aus, man kann sie gießen, ihre Blätter von Staub befreien, sie umtopfen und vermehren. Annika freut sich immer sehr, wenn eine ihrer kleinen Zimmerpflanzen ein neues Blatt bekommt. Manche der grünen Mitbewohnerinnen sollen sogar die Raumluft reinigen können - ein Plus, vor Allem in Zeiten, in denen man drinnen bleiben sollte.
    Außerdem sehr befriedigend ist es, Essbares anzupflanzen. Sprossen gehen schnell und ohne weiteres Zubehör. (Du brauchst nicht einmal Erde.) Ansonsten bieten sich Salate, Küchen- und Teekräuter, Erbsen und vielleicht sogar Beerenfrüchte an - letztere aber nur, wenn Du einen Balkon hast.
  • Logische Schlussfolgerung: Koch was.
    Lass dir helfen von Foodgawker (für die, die eine Herausforderung wollen) und FuckingRecipes (für meine Seelenverwandten, die etwas Ermutigung brauchen).
  • Lesen: Die Stadtbibliothek Köln bietet momentan kostenlosen Zugang zu allen Online-Datenbanken . Da sind E-Books, Lernmedien, Dokumentationen und so weiter. Greif zu.
  • Frühjahrsputz: Ich empfehle Marie Kondo und Queer Eye auf Netflix und YouTube im Hintergrund laufen zu lassen. Damit will man auf einmal nichts lieber, als endlich mal das Gefrierfach zu enteisen oder die Hutsammlung zu sortieren. (Okay, letzteres klingt wie ein ich-Problem.)
  • Mach Handarbeiten. Anleitungen gibt es zuhauf auf YouTube. Fange vielleicht mit Maskennähen an:
    Ohne Nähmaschine und mit Nähmaschine .
    Für dich, für deine Freunde, Familie, Mitbewohner, und zum Spenden.
  • Richte einen Discord-Server ein, triff dich da mit deinen Freunden. Jede*r kann kommen wenn er*sie will. Ist kostenlos, nicht so nerdig wie es klingt und braucht nicht so viel Planung und Absprache wie Zoom & Co.
  • Lerne eine neue Sprache kennen.
    Ob Duolingo als App (du bist zu hause, du kannst sogar die Teile bei denen du sprechen musst mitmachen!) oder die digitalen Angebote der Stadtbibliothek Köln. Du wirst es dir danken.
  • Was dich auch im Leben weiterbringen wird: Lerne programmieren.
    Codecademy ist zu großen Teilen kostenlos und einfach zu verstehen, auch für die Leute, denen das Wort “Code” Angstschweiß auf die Stirn treibt.
  • Werde gesünder.
    Ja, auch mit Sport. Ja, drinnen und alleine. Auch und gerade für Anfänger empfehle ich NerdFitness. Lerne einen Essensplan zu erstellen, lerne Workouts aufzubauen (ich habe aus meinem alles was keinen Spaß macht rausgeschmissen, empfehlenswerte Strategie), lass dich von den witzigen Newslettern motivieren. Das meiste ist kostenlos.
  • Weitere Ressourcen, die mir helfen, durch die Tage zu kommen:
    • Wysa, die App. Eine KI hilft gegen Einsamkeit, Panik, Angst...versuch es. Manche finden sie doof, ich finde sie toll.
    • Headspace, die App. Probiere das mit dem Meditieren mal aus. Hier gibt es kostenlos Grundkurse sowie momentan Extrakurse zu Coronazeiten.
    • 7Mind, die App. Weitere Meditationsapp mit verschiedenen kostenlosen Kursen, u.A. einem “Corona-Krisenpaket”. Für Studierende mancher Unis (u.A. der TH Köln) ist momentan ein Jahreszugang zur Pro-Version kostenlos.
    • Momentum, die Browser-Extension. Begrüßt dich in einem neuen Tab mit einem schönen Foto, einem motivierenden Zitat, und von dir vorgespeicherten guten Links, ohne dich mit großen Bildern ablenkender Internetseiten, reißerischen Nachrichtentiteln oder Ähnlichem zu verwirren. Kostenlos.

 

Verbunden mit dem Meditationsgedanken hier ein Tipp von Marlon:

Alles ist zu viel?

Jede*r kennt das Gefühl, wenn man für lange Zeit drinnen ist und vielleicht irgendwann Langeweile hat, oder einfach keine Lust auf die Dinge, die anstehen: Müdigkeit macht sich breit und es wird schwieriger sich zu konzentrieren. Ich werde dann meistens auch etwas tollpatschiger, laufe häufiger aus Versehen gegen Möbel, versuche die verschlossene Badezimmertür aufzumachen und lasse immer und überall das Licht brennen.

Mein Mittel der Wahl dagegen: Achtsamkeit!

Achtsamkeit bedeutet nicht nur, mehr auf die eigene Umgebung zu achten, sondern auch auf sich selbst und das Innere. Mit sehr leichten Übungen kann schon viel erreicht werden.

Setz dich z.B. entspannt irgendwo in einen ruhigen Raum und schaue dich für eine Weile einfach nur um. Versuche, dir den Raum und die Dinge in ihm möglichst gut einzuprägen. Das soll keine gehirnanstrengene Übung werden, also lass einfach alles auf dich wirken.

Wenn du das Gefühl hast, den Raum genug wahrgenommen zu haben, schließ die Augen und versuche dich an alle Gegenstände einer bestimmten Farbe zu erinnern.

Wo liegen diese Gegenstände?
Wie groß sind sie?
Haben sie nur diese eine Farbe?

Hier gibt es kein richtig oder falsch, keine Leistung, die du erbringen musst. Es geht nur darum dir etwas bewusster zu machen, wo du bist, was um dich geschieht und im Moment zu sein.

Das funktioniert auch, während man etwas tut. Wenn ich merke, dass meine Gedanken von meiner derzeitigen Aktivität abdriften, hole ich tief Luft, atme langsam aus und besinne mich darauf zurück, was ich gerade tue: “Ich schneide gerade Zwiebeln”, “Ich lese grade ein Buch”, “Ich gucke grade ein witziges YouTube-Video”.

Sich zu sagen, womit man sich eigentlich beschäftigt, kann den ungewollten Gedankenstrom unterbrechen und die Konzentration auf das Hier und Jetzt zurückholen. Selbst langweilige Aufgaben können interessant und spaßig werden, wenn wir uns erlauben, sie bewusst zu tun und nicht nebenbei noch an 30 andere Dinge zu denken.

 

(von Toni, Marlon und Annika  13.April 2020)

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