Ausbildung und psychische Behinderung unter einem Hut

Ausbildung und psychische Behinderung unter einem Hut

Marlon ist 24 Jahre alt, kommt ursprünglich aus dem Aachener Umkreis und lebt zurzeit in Köln. Er ist psychisch (seelisch) behindert und möchte demnächst eine Ausbildung zum Tischler beginnen. Warum er dafür nach Bremen zieht und wie das Bewerbungsverfahren in der Reha-Abteilung abläuft, erfährst du im folgenden Interview.

 

Was machst du bei junge Stadt Köln?

Ich bin Teammitglied vom Projekt Psych_Ed und setze mich für die Entstigmatisierung von psychischen Erkrankungen ein, sodass es nicht mehr nur um die Krankheiten, sondern um die psychische Gesundheit im Allgemeinen geht.

 

Du wirst jetzt von Köln nach Bremen ziehen und dort deine Ausbildung zum Tischler absolvieren. Warum ging das in Köln nicht? Und warum gerade Bremen?

Ich habe mich ganz normal auf Ausbildungsplätze in Köln beworben, denn ich würde sehr gerne in Köln bleiben. Aber in der freien Wirtschaft hatte ich mit meinem Lebenslauf und den Problemen, die ich so habe, keine Chance. Daraufhin bin ich zum Arbeitsamt gegangen und habe gefragt, ob es eine Möglichkeit gibt, dass sie mir helfen, einen Ausbildungsplatz zu finden. Dort wurde ich dann in die Reha-Abteilung weitergeleitet. Der Sachbearbeiter hat mir die Wahl zwischen drei verschiedenen Berufsbildungswerken gegeben, bei denen ich die Ausbildung machen kann und davon fand ich Bremen am reizvollsten, da ich die Stadt und den deutschen Norden sehr mag. In Köln konnte ich die Ausbildung leider nicht machen, da die Berufsbildungswerke hier und in der Nähe für Menschen mit anderen Arten von Behinderungen* gedacht sind oder die Ausbildung zum Tischler nicht anbieten.

 

Was sind Berufsbildungswerke?

Berufsbildungswerke sind Einrichtungen, die jungen Menschen mit Behinderungen die Möglichkeit geben, eine Teilhabe am Berufsleben zu erreichen. Sie bieten Ausbildungen an, die im Abschluss den Ausbildungen auf dem ersten Arbeitsmarkt gleichgestellt sind oder spezielle Fachpraktiker-Ausbildungen. Von den Anforderungen an den theoretischen Teil liegen diese Fachpraktiker-Ausbildungen ein bisschen unter dem eigentlichen Niveau des Ausbildungsberufes. In Berufsbildungswerken kann man auch Berufe ausprobieren. Es gibt für die Handwerksberufe einen Werkstattbereich und einen schulischen Teil in einem. Sozialarbeiter, Psychologen, Physiotherapeuten und Ärzte sind auch immer vor Ort, um den Azubis die beste Unterstützung zu bieten. Dadurch kann auf die speziellen Bedürfnisse jedes einzelnen Menschen eingegangen werden.

Es ist schon erstaunlich, dass etwas so relevantes so unbekannt ist.

 

Wie lief das Bewerbungsverfahren ab?

Das ist ganz anders als man es kennt, da diese Ausbildung keine Ausbildung im klassischen Sinn ist. Es ist im Grund eine Reha-Maßnahme, die vom Arbeitsamt bezahlt wird. Diese wird vom Arbeitsamt bewilligt. Bei mir lief das so ab, dass ich zu einer Berufsberatung gegangen bin und die Sachbearbeiterin dort war so nett, mir zu sagen, dass ich mit meinem Grad der Behinderung (40) besser in die Reha-Abteilung gehe. Zuerst hatte ich ein Gespräch mit dem ärztlichen Dienst – in meinem Fall eine Psychiaterin (je nach Art der Behinderung anderer Facharzt). Danach gab es einen psychologischen Test. Wie diese klassischen Eignungstests. Ich saß am Computer und musste Aufgaben lösen. Und die haben geschaut, inwieweit das den Anforderungen als Tischler entspricht. Mit einer Psychologin habe ich über meine Ergebnisse gesprochen und auch meine generelle Situation und wie ich unterstützt werden kann.

Der Sachbearbeiter hat mir dann gezeigt, welche Möglichkeiten ich habe.

Ich werde vor der Ausbildung eine Arbeitserprobung machen. Da kann ich dann vier Wochen erst mal austesten, ob ich diese Ausbildung wirklich machen möchte, damit nicht schon wieder eine abgebrochene Ausbildung in meinem Lebenslauf steht. Das ist auch ein Problem, dass ich früher hatte. Eine frühere Ausbildung und auch ein Studium habe ich abgebrochen, weil der psychische Druck für mich zu hoch war.

 

Warum hast du die Unterstützung der Agentur für Arbeit in Anspruch genommen?

Ich bin zur Agentur für Arbeit gegangen, weil ich mit meinen normalen Bewerbungen auf dem normalen Arbeitsmarkt nicht weiterkam. Da ich sowohl meine Ausbildung als auch mein Studium abgebrochen habe, weil der psychische Druck zu hoch war, brauchte ich Unterstützung bei meiner Bewerbung. Und bei der Agentur für Arbeit kann man die Unterstützung erhalten, die man braucht.

 

Hast du auch negative Erfahrungen gemacht?

Ich hatte das Gefühl, dass ich sehr viel Glück hatte. Schon die erste Sachbearbeiterin bei der ich war, war extrem nett und hat mich direkt an die Reha-Abteilung weitergeleitet, und mir gesagt, wie das alles schneller gehen kann. Scheinbar gibt es viele Menschen, die diese Leistungen in Anspruch nehmen, da kann es manchmal einfach dauern. Sie hat mich auch immer wieder dafür gelobt, wenn ich angerufen habe und sie meinte, nur so kann sie dann auch dafür sorgen, dass es etwas schneller vorwärts geht.

Die Wartezeit war das einzige, was mir negativ in Erinnerung geblieben ist.

Der Sachbearbeiter in der Reha-Abteilung ist ein total cooler Mensch, der sich die Zeit genommen hat, mir zu erklären wie das alles abläuft. Der sich auch dafür interessiert hat, was bei mir so die Lage ist. Was für Bedürfnisse ich habe. Er hat dann auch dafür gesorgt, als er mich beim Berufsbildungswerk in Bremen angemeldet hat, dass alle Infos übermittelt werden, damit ich dort nicht alles nochmal von vorne erzählen muss. Dass alles schon bekannt ist und ich so komfortabel wie möglich nach Bremen ziehen kann.

Ich habe auch das Gefühl, dass sich in der Reha-Abteilung wirklich um die Menschen gekümmert wird, und das Ziel nicht ist einfach nur mehr Arbeitskräfte zu erschaffen.

 

Was rätst du anderen Menschen?

Ich kann jedem raten, der Probleme mit seinen Bewerbungen hat, einfach mal in der Reha Abteilung zu fragen. Natürlich braucht man einen Grund in die Reha Abteilung zu müssen. Auf der Website der Agentur für Arbeit ist dargestellt, an welche Menschen sich das Angebot richtet. Aber wenn man da reinfällt, ist es das definitiv wert, sich mal einen Termin geben zu lassen und einfach mal mit den Leuten zu reden.

Ich rate auf jeden Fall zu viel Geduld. Alle paar Wochen mal anrufen und nachfragen, damit die Menschen dort sehen, dass man wirklich interessiert ist und auch wirklich was erreichen möchte. Die können einem nur helfen, wenn man das tatsächlich auch möchte und je mehr man zeigt, dass man diese Hilfe haben möchte, desto schneller geht das dann auch und desto mehr engagieren sich die Menschen für einen.

Geduld, Dranbleiben und sich auch tatsächlich trauen, um Hilfe zu bitten. Es war für mich ziemlich schwer mir das einzugestehen, dass ich diese Hilfe brauche und das dann halt auch so zu kommunizieren, dass ich sie kriegen kann. Sehr wichtiger Punkt, den man nur mit sich selbst ausmachen kann, das aber auch definitiv sollte.

 

Das Interview wurde am 18.05.2020 von Johanna durchgeführt.

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Liebe liegt in der Luft – alles fühlt sich gut an, wie in Watte gepackt. Die rosarote Brille gibt einem das Gefühl, man würde auf Wolke schweben. Zumindest die Anfangsphase einer romantischen Beziehung ist voll mit Schmetterlingen im Bauch und alles ist einfach… besser?  Ist Liebe die Lösung?

 

Den Begriff Selfcare hat wohl jeder schon einmal gehört. Ins Deutsche lässt er sich wohl am besten mit dem Wort Selbstfürsorge übersetzen, und genau darum geht es: Den fürsorglichen Umgang mit sich selbst, die eigenen Bedürfnisse auch mal an erste Stelle setzen, sich selbst wie einen guten Freund behandeln, dem man gerne etwas Gutes tun möchte.

 

Das Wort Stress dürfte heutzutage kein unbekannter Begriff sein – ganz im Gegenteil: Ob wegen des Studiums oder des Berufs, gefühlt ist jeder immer gestresst. Und wenn man nicht gestresst ist, hat man dann vielleicht zu wenig zu tun? Ist gestresst sein mittlerweile eine Notwendigkeit in unserer Gesellschaft geworden? Was ist Stress überhaupt?

 

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