Neues Jahr - neues Ich?

Stammtisch vom 07.01.2021 zum Thema Neujahrsvorsätze

 

Gleich nach den weihnachtlichen Dezembertagen kommt schon die Neujahrsfeier daher und mit ihr die altbekannten Neujahrsvorsätze: „Ich will im kommenden Jahr 30 Kilo abnehmen.“ „Ich werde in diesem Jahr jeden Tag zehn Kilometer joggen.“ „Keine Süßigkeiten mehr! Diesmal wirklich.“

Alles Aussagen, die man bei der Silvesterparty bestimmt schon einmal halbherzig gesagt bekommen hat, die aber mit dem wirklichen Umsetzen von Zielen wenig zu tun haben. So wird oft mit Neujahrsvorsätzen um sich geworfen wie mit Konfetti – oder?

Bei unserem Stammtisch im Januar haben wir uns darüber unterhalten, wie sich ein Neujahrsziel realisieren lässt bzw. was einen davon abhalten kann, es umzusetzen. Außerdem haben wir darüber gesprochen, ob Neujahrsvorsätze eher gut oder schlecht sind und welche Strategien es zur Erreichung der Ziele gibt.

 

1. Neujahrsziele - gut oder schlecht?

Wie wir bei unseren Aussagen zu der hypothetisch (danke lieber Coronavirus) besuchten Silvesterparty bereits festgestellt haben, sind die nicht wirklich ernsthaft überlegten Neujahrsziele oft eher unrealistisch und unspezifisch gehalten. Früher oder später führt das wahrscheinlich dazu, dass die Umsetzung scheitert, was dann in den meisten Fällen unweigerlich in Frustration endet. Ein Jahr ist kurz und lang zugleich, je nachdem wie man es betrachtet. Nun überschätzen sich viele mit klischeehaften Mammutzielen, die in einem Jahr nicht erreichbar, in mehreren Jahren bei regelmäßiger Umsetzung jedoch absolut realistisch sind. Auch macht es einen Unterschied, ob wir uns ein Ziel vornehmen, das einen Endpunkt hat, also im Prinzip „fertig“ werden kann, oder ob wir Ziele haben, die eher in den Alltag eingebettet werden und kontinuierlich, sozusagen als Angewohnheit, durchgeführt werden sollten. Ob Neujahrsziele nun gut oder schlecht sind, ist letztendlich einfach Geschmackssache. Wenn man aber einen Vorsatz vernünftig angeht, kann er unter Umständen viel bewirken.

 

2. Smarte Ziele setzen

Wie bereits erwähnt, sind Neujahrsziele oft nicht spezifisch genug formuliert. Um sich Ziele konkret vor Augen zu führen, kann man das S.M.A.R.T. Modell benutzen. Hierbei stehen die Buchstaben für bestimmte Punkte, die man bei der Zielsetzung betrachten kann.

Das S steht hierbei für „spezifisch“ oder für „selbstbestimmt“ und bezieht sich darauf, ob das ausgewählte Ziel unmissverständlich beschrieben wurde und genug Details enthält.

Das M steht für „messbar“. Man sollte sich demnach fragen, an welchen Kennwerten oder konkreten Aspekten der Erfolg, Teil- oder Misserfolg erkannt werden kann („Wie erfasse ich den Fortschritt?“).

Das A steht für „attraktiv“ und hat nichts mit einem bestimmten Aussehen zu tun, sondern widmet sich der Frage, ob das gesetzte Neujahrsziel wirklich wünschenswert ist. Bei diesem Punkt ist besonders wichtig, das Ziel ohne Verneinungen und so positiv wie möglich zu formulieren. Zum Beispiel könnte man statt „Ich will keine schlimmen Alpträume und Schlafprobleme mehr haben. Ich will nicht mehr müde sein“ das Ziel lieber wie folgt formulieren: „Ich möchte wieder durchschlafen können. Ich wünsche mir mehr Energie für den Tag.“ Denn sich auf die positiven Aspekte seines Neujahrsziel zu konzentrieren, fördert die Motivation zur Umsetzung.

Das R im SMART-Modell steht für „realistisch“. Hierbei ist es wichtig, dass das Ziel eine mittelstarke Herausforderung darstellt, es demnach also weder zu einfach, noch zu schwierig ist.

Der letzte Buchstabe T für „terminiert“ bezieht sich auf den Zeitpunkt des Erreichens eines Ziels oder eines Teilziels, der zu Beginn festgelegt werden sollte. Wenn du also versuchst ein ernst gemeintes Neujahrsziel zu setzen, versuche es doch einfach mal, es mit dem SMART-Modell zu formulieren.

 

3. Woran kann es scheitern?

Nun ist das SMART-Modell gut und schön, um das Neujahrsziel konkret zu definieren und die Motivation dafür zu bündeln, scheitern kann der Vorsatz natürlich dennoch. Wir haben bei unserem Stammtisch darüber gesprochen, welche Erfahrungen die Teilnehmer mit dem Scheitern bei der Umsetzung von Neujahrszielen haben. Wieso werden die eigenen Neujahrsvorsätze meistens dann doch wieder in den Wind geschossen?

Da wir uns bei Psych_ED mit psychischer Gesundheit befassen, wurde natürlich zunächst das altbekannte Gegenstück dazu als Grund genannt: die psychischen Erkrankungen. Und da Depressionen, Angststörungen und Co. oft nicht alleine zu Besuch kommen, ist es absolut legitim, wenn man seine Kraft für das alltägliche Leben sorgsam einteilen muss. Da kommen anstrengende Neuanpassungen ab und an zu kurz und sollten auch nicht den Fokus darstellen. Bei psychischen Erkrankungen sollte die betroffene Person in jedem Fall professionelle Hilfe (z.B. psychologische Psychotherapie) in Anspruch nehmen und mit dieser Person dann das eigene Vorgehen, z.B. bei Neujahrszielen, besprechen. Man muss sich nicht schuldig fühlen, wenn man mit dieser Form von Belastung seine Neujahrsziele nicht erreicht.

Natürlich gibt es auch andere Gründe, weshalb Neujahrsvorsätze nicht ganz so umgesetzt werden, wie sie sollten. Ob es nun Zeitmangel, die Arbeit oder unvorhergesehene Ereignisse sind - bei solchen genannten Problemen liegt es oft (nicht immer!) an der eigenen Planung und Prioritätensetzung. Nutze das SMART-Modell für die Planung und schaue dir im Prozess dabei an, ob du bereit bist, dein Neujahrsziel als Priorität zu setzen. Es wird dir dann leichter fallen, deine freien 30 Minuten am Tag nicht dem ziellosen Scrollen in deinem Instagramfeed, sondern diese Zeit lieber der Umsetzung deines Neujahrsziels zu widmen.

Wenn du das noch nicht kannst oder möchtest, wirft dir das natürlich niemand vor und eventuell fühlst du dich später im Jahr bereit, dieses Ziel als Priorität zu betrachten. Vergiss nicht, dass du dir selbst diese Ziele vorgibst und du Prioritäten nur für dich persönlich setzt. Hast du ein Ziel, weil du es für dich erreichen möchtest? Oder ist es doch eher ein Mittel zum Zweck, um die Ansprüche der Gesellschaft oder deines Umfelds an dich zu erfüllen? Damit deine Ziele nicht scheitern, kannst du dir in jedem Fall auch deine eigenen Beweggründe vor Augen führen.

 

4. Umsetzung von Neujahrsvorsätzen

Es ist schon seltsam, dass wir unsere Neujahrsziele genau an einem festen Datum betrachten, obwohl der Mensch sich doch tagtäglich hinterfragt und oft nach mehr strebt. Nun kann man aber den vom Menschen festgelegten Jahreswechsel gut zur Betrachtung des alten Jahres verwenden. Reflektieren, was geschehen ist, wie man sich verändert hat, wo man hinmöchte. Wenn man sich gestern anschaut, wird sich zu heute wenig verändert haben, aber wenn man sich das vergangene Jahr ansieht, ist die Änderung enorm. Manchmal merken wir nicht, wo wir stehen und wo wir hinwollen, oder dass jeder Gedanke, den wir haben, uns doch beeinflusst, in uns fruchten kann und zu etwas Enormen und sogar zu unseren kompletten Zukunftsvorstellungen werden kann.

Letztendlich ist jeder einzelne Tag, ein Puzzleteil des gesamten Lebens, ein Teil eines großen Ganzen. Und es ist ab und zu schön, sich das vor Augen zu halten. Also lässt sich in jedem Fall sagen, dass Vorsätze nicht nur an Neujahr möglich sind, aber der Jahreswechsel definitiv eine gute Möglichkeit darstellt. Ob die Umsetzung nun gelingt, hängt von dem Einfluss deines Umfelds, den eigenen materiellen, aber auch personellen und mentalen Ressourcen ab. Dabei sollte man nicht vergessen, dass sich Vorsätze oft wandeln und andere Vorsätze daraus entstehen. Viele Menschen fänden es schlimm, heute dort zu sein, wo sie vor 10 Jahren hinwollten. Das Leben ist ein Prozess und ein Neujahrsvorsatz eben auch.

 

Hier noch einmal einige Neujahrsvorsätze, die jede*r einzelne Teilnehmer*in des Stammtisches ganz persönlich (via Etherpad) festgehalten hat und die euch vielleicht motivieren:

  • neugierig bleiben
  • regelmäßige Meditation
  • die eigene Zukunft angehen
  • Inspiration sammeln und ein Buch schreiben
  • „I wanna be a better vegan“
  • mehr lesen
  • … oder hören (Empfehlung: „murderbot diaries“)
  • meine Geschichte richtig erzählen (You have to tell your story properly)
  • zuvorkommender sein und die Selbstverständlichkeit finden, anderen zu helfen
  • nach den Sternen greifen ☆

 

 

Das Team von Psych_ED wünscht allen Leserinnen und Lesern einen positiven Start ins neue Jahr 2021!

 

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Den Begriff Selfcare hat wohl jeder schon einmal gehört. Ins Deutsche lässt er sich wohl am besten mit dem Wort Selbstfürsorge übersetzen, und genau darum geht es: Den fürsorglichen Umgang mit sich selbst, die eigenen Bedürfnisse auch mal an erste Stelle setzen, sich selbst wie einen guten Freund behandeln, dem man gerne etwas Gutes tun möchte.

 

Das Wort Stress dürfte heutzutage kein unbekannter Begriff sein – ganz im Gegenteil: Ob wegen des Studiums oder des Berufs, gefühlt ist jeder immer gestresst. Und wenn man nicht gestresst ist, hat man dann vielleicht zu wenig zu tun? Ist gestresst sein mittlerweile eine Notwendigkeit in unserer Gesellschaft geworden? Was ist Stress überhaupt?

 

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